Zur Spitze des Toubkal – über den Wolken in Marokko

Ich packte alle meine Sachen schnell zusammen, denn 15min später traf ich mich bereits mit meinen gestrigen Bekanntschaften, Maria und Burki, die ebenfalls aus Berlin kommen, um nach Imlil zu fahren. Unser Ziel war es den höchsten Berg in Marokko und zweithöchsten in Afrika mit einer Höhe von 4147m zu besteigen. Ich stand an dem verabredeten Ort, doch ich sah weit und breit niemanden. Auch nach 30min keine Spur von den Beiden und ohne Internet konnte ich sie auch nicht erreichen. So sollte also mein erstes spontanes Abenteuer bereits enden? Nein, denn plötzlich tauchen Maria und Burki in meinem Augenwinkel auf. Sie winkten mir glücklich zu und ich erwiderte es. Mit einem Schlag war ich erleichtert und gespannt, was mich in meinem ersten Abenteuer so alles erwarten würde.

Wir konnten schlecht mit unseren Backpacks die Spitze des Berges erreichen, also suchten wir eine Option unser Gepäck im Dorf zu lassen. In den Straßen von Imlil trafen wir auf einen alten Mann, der uns halbwegs verstehen konnte. Wir folgten ihm über Schleichwege bis zu einem großen Haus, wo wir von einem weiteren Einheimischen empfangen wurden. Dort ließen wir unser Gepäck. Wir packten die nötigsten Dinge zusammen. Zum Abschluss wurden wir noch zu einem Tee mit einer Tonne Zucker, wie es die Marokkaner lieben, eingeladen. Unsere Körper schrien buchstäblich: Hurrah, Diabetes mellitus ich komme. Doch uns stand ein schwieriger Aufstieg bevor, deswegen waren wir über jede zusätzliche Energiequelle dankbar. Von der Dachterrasse des Hauses aus, hatten wir einen traumhaften Blick über das gesamte Dorf und die Berge. Wir verabschiedeten uns, besorgten Klettereisen und ausreichend Verpflegung für einen Tagesmarsch und dann machten wir uns auf zum Toubkal Nationalpark.

Der Eintritt zum Nationalpark wurde kontrolliert. Die Polizei Vorort erzählte uns, dass wir aufgrund des kürzlichen Desasters ohne Guide den Nationalpark nicht betreten durften. Also suchten wir uns einen. Ibrahim, unser Guide, führte uns. Unser Tagesziel war es, die Basis auf 3150m vor Sonnenuntergang zu erreichen. Dort würden wir dann die Nacht verbringen. Wir folgten dem Fluss, passierten Wasserfälle und kleine Bergdörfer, bestehend aus nur zwei bis drei Hütten. Wir liefen durch einen beeindruckenden Canyon. Die Natur war beinahe unberührt und atemberaubend schön. 

Je höher wir kamen und je länger wir liefen, desto anstrengender wurde es. Jedoch wurde die Aussicht auch immer eindrucksvoller, welche ich wirklich sehr genoss. Das war meine erste richtige Expedition in die Berge und ich entdeckte das Hiking als Leidenschaft für mich. Diese Tour stellte sich als eine unbekannte Belastung und größere Herausforderung für mich dar als gedacht. Gerade auf den letzten Metern bekam ich unheimliche Krämpfe bei jedem Schritt wieder und wieder. Ich hätte nicht gedacht, dass der Ausflug mir so zu schaffen macht. Ich war kurz davor aufzugeben, aber an Umkehren war  auf gar keinen Fall zu denken. Ich kämpfte mich durch und erreichte überglücklich und total erschöpft mit meinen Begleitern die Basis. In diesem Moment sah ich mich aufgrund meines körperlichen Zustandes am nächsten Tag noch nicht auf der Spitze des Toubkal.

Vorort wurden wir bestens versorgt Tee, Suppe und ein Berg Couscous, beinahe so hoch wie unser morgiges Ziel. Der Kamin im Essenssaal, taute uns wieder auf, denn auf dieser Höhe war es bereits eisig kalt. Vor allem wenn, wie in unserem Fall, die Sonne schon untergegangen war. Wir sagten früh „gute Nacht“, denn um fünf Uhr in der Früh ging es weiter.

Auf zur Spitze des Toubkal! Total motiviert waren die Strapazen von gestern wie weggeblasen. Wir machten uns, ausgestattet mit Stirnlampen und Klettereisen, im Dunkeln auf den Weg zur Spitze des Berges. Wir wollten vor Sonnenaufgang oben ankommen. Dieses Mal war es genau umgedreht. Meine Mitstreiter, Maria und Burki, hatten Probleme mitzuhalten. Wir legten einige kurze Pausen zwischendurch ein und kamen zu unserem Ziel. 

-12 Grad auf der Bergspitze, keine Handschuhe, die Finger schwollen an und wurden schon leicht bläulich. Das elektrische Equipment versagte, doch das Gefühl es geschafft zu haben, war unbeschreiblich. Der Sonnenaufgang und Ausblick noch weitaus grandioser. Ich blickte über alles hinweg und vergaß in diesem Moment alles um mich herum.

Es wurde langsam kalt. Zeit für den Abstieg! Nach 11 Stunden wandern hatten wir es endlich zurück nach Imlil geschafft. Auf halber Strecke legten wir noch eine Pause ein, denn wir konnten der Versuchung nicht widerstehen unter dem Wasserfall baden zu gehen. Das Wasser war eiskalt, wir aber auch total überhitzt. Klamotten aus und rein! Das gab uns ein erfrischendes Gefühl und die Energie für die letzte Distanz. Von Imlil fuhren wir mit einem Sammeltaxi zurück nach Marrakesch. Wir wurden mit Einheimischen zusammen in den Bus gestopft, unser Gepäck aufs Dach geworfen und los ging es in einem Affenzahn über Schlaglöcher entlang der Serpentine. Ich hatte ein bisschen Sorge um mein Leben und noch mehr um mein Gepäck. Das Fahrzeug klapperte, es hatte seine besten Tage bereits erlebt. Ich war verwundert, dass es überhaupt noch fuhr. 

Zurück in Marrakesch, ging es zurück für eine Nacht in dasselbe Hostel, um am nächsten Morgen mein Tramper-Abenteuer zu starten.