Roadtrip – durch die wunderbare Landschaft Albaniens

Ein Roadtrip durch Albanien! Andy, ebenfalls aus Deutschland, lernte ich in Tirana kennen. Unglaublich, dass ich überall auf Deutsche treffe. Wir scheinen ein sehr reiselustiges Völkchen zu sein. Mit Anu, dem Dritten im Bunde, erkundeten wir die Stadt, nahmen an der Free Walking Tour teil, probierten uns durch die albanische Küche, genossen den Wein, manchmal ein wenig zu ausgiebig, und testeten anschließend das Tirana-Nightlife. Es war der Wahnsinn. Allerdings verstand ich die Feierkultur in Albanien keineswegs. Die Leute waren so ernst, standen an ihren reservierten Tischen und tranken den ganzen Abend. Eine Tanzfläche gab es nicht, also suchten wir uns einen freien Platz und hatten den Spaß unseres Lebens. Jedenfalls aus meiner Sicht.

In der ganzen Zeit erzählte ich Andy meine bisherigen Reiseerlebnisse und er bot mir schließlich an, ihn auf seinem Roadtrip durch Albanien zu begleiten. Das Angebot schlug ich natürlich nicht aus. Also holten wir am nächsten Morgen das Auto vom Flughafen ab und man ließ uns ohne Vorwarnung in den Straßenverkehr von Albanien los. Der Verkehr ist unterirdisch. Markierte Fahrspuren gibt es hier nicht und alle fahren kreuz und quer. Der rücksichtsloseste Fahrer und/oder der mit dem größten Gefährt gewinnt! Das ist wohl die einzige Straßenverkehrsordnung und ich muss sagen, dass Andy sich direkt gut eingefügt hat.

Wir fuhren zu allererst nach Pellumbas. Es war die Rede von einem Wasserfall, zu dem wir wandern wollten. Letztlich war von einem Wasserfall weit und breit nichts zu sehen, stattdessen haben wir einen Ausflug in die Black Cave gemacht. Der Aufstieg zum Höhleneingang war schnell gemeistert. Mit Stirnlampe ausgestattet, verschwanden wir langsam im Dunkeln.

Die Höhle war gewaltig, wir brauchten ca. 30min, um das Ende zu erreichen. Wo Andy unerfreuliche Spuren entdeckte. Bärenspuren! Plötzlich ist uns ganz anders geworden und jeder von uns Beiden hat unausgesprochen gedacht: Bloß raus hier! Es blieb dabei, einem Bären begegneten wir dann doch nicht. Glücklicherweise, denn zu dieser Zeit hatten die Bären bereits schon Junge und dann kann eine Begegnung schnell unerfreulich enden.

Draußen angekommen waren wir erleichtert. Die Wandertour war aber noch nicht zu Ende. Denn wir oder eigentlich mehr meine Person, sah einen abwärts verlaufenden Weg, wo es keinen gab. Trotzdem stiegen wir hinab bis zum Fluss und irrten anschließend mehrere Stunden durch die Wälder.

Total kaputt, wurden wir im Dorf von den Mitbewohnern traditionell mit Produkten aus dem Dorf bekocht. Gesättigt ging es am selben Tag noch weiter nach Berat. Die Altstadt liegt an einem Hang eines Hügels und von der Festung aus hatten wir den perfekten Fotospot. In Pellumbas hatte es zuvor schon leicht geregnet, an unserem Zielort Berat fing es erst so richtig an zu plattern. Wir brauchten noch eine Unterkunft. Doch diese Herausforderung war zufällig schnell gelöst, denn eine Frau sah uns durch die Straßen irren und ahnte wohl was wir zu suchen schienen. So führte sie uns in ihr Gasthaus, wo wir zwei Nächte verbrachten. Trotz des Regens liefen wir durch die engen Gassen von Berat. Irgendwie stellte ich mir vor durch ein mittelalterliches und immer verregnetes London, wie man es aus verschiedensten Filmen kennt, zu laufen. 

Die SH8, führte uns den Llogara Pass entlang. Zuallererst musste das kleine Auto allerdings die gewaltige Steigung bis nach oben überwinden. Der Motor war heiß gelaufen, doch das Auto bezwang den Berg schlussendlich und überglücklich kamen wir oben an. Es hatte sich eine Pause verdient, währenddessen wir den Ausblick genossen. Von dort aus brauchte man kein Gaspedal mehr. Einfach rollen lassen und hoffen, dass Lenkung und Bremsen nicht versagen, denn die Serpentine waren gewaltig und überall am Straßenrand sieht man Denkmäler von den Verunglückten.

Heil unten angekommen, mussten wir noch ein paar Kilometer weiter fahren bis wir in der Nähe von Gjipe ankamen. Dort stellten wir das Auto ab. Eine Frau kam an und verlangte Parkgeld. Doch wir sahen keinen Grund darin, ihr das gewünschte Geld zu bezahlen, also gingen wir. Sie drohte uns darauf hin, unsere Reifen zu zerstechen. Das war meine erste negative zwischenmenschliche Erfahrung in Albanien. Doch gibt es eben überall gute und schlechte Menschen.

Wir kamen an dem beinahe leeren Strand an und trafen eine Gruppe von Österreichern, die mit Ihrem Camper durch den Balkan reisten. Dabei kam mir der Gedanke, dass ich mir irgendwann auch einen alten Bus in einen Camper umbaue könnte, um dann erneut die Welt auf eine andere Art und Weise zu bereisen. Wir verbrachten einige Stunden an dem Strand und durchquerten dann den beeindruckenden Canyon, der sich hinter dem Strand ins Inland erstreckt. Am liebsten wäre ich dort noch länger geblieben!

Es ging weiter nach Himäre, in das Santorini von Albanien, so beschrieb man es uns jedenfalls. Am Anfang von Himäre trafen wir auf zwei Tramperinnen, doch leider konnten wir aufgrund von Platzmangel keine von beiden mitnehmen. Also mussten wir sie zurücklassen! Trafen beide aber später in Ksamil wieder, also hatten sie wohl kurz nach uns das Glück mitgenommen zu werden. Dann fuhren wir weiter in die Stadt hinein und hielten Ausschau nach dem versprochenen Stadtbild. Doch nichts! Es gab nicht ein weißes Haus mit einem blauen Dach, welche den Charakter von Santorini ausmachen. Wir sahen lediglich, wie ein Hotel an das nächste gereiht war. Einen typischen, touristischen Urlaubsort, der nichts an Schönheit besaß außer seinen Strand, der während der Hauptsaison total überfüllt sein würde und schließlich seinen jetzigen Charme verlieren würde. Wir hielten uns dort nicht länger auf und fuhren weiter an der Küste entlang in Richtung Ksamil.

Ksamil, ist im Sommer einer der haupttouristischen Ziele. In der Nebensaison, in der wir uns befanden, gleicht die Stadt eher einer Geisterstadt. Wir suchten uns ein nettes familiäres Gasthaus. Die Besitzer erzählten uns stolz von ihren beiden Kindern, die nach Deutschland ausgewandert sind, um zu studieren. Es war kurz vor Sonnenuntergang, also gingen wir zum Strand und verbrachten dort die Zeit bis es dunkel wurde. Die nächsten zwei Tage genossen wir die Zeit völlig alleine am Strand. Wir chillten und brutzelten in der Sonne. 

Im Butrint Nationalpark nicht weit entfernt von Ksamil, befindet sich die gleichnamige und erstmals griechische Stadt, die seit 1992 dem UNESCO Kulturerbe angehört. Wir machten also einen Ausflug am späten Nachmittag dorthin. Sonne hatten wir für heute nämlich genug getankt und Andy sogar ein wenig zu viel. Er ist buchstäblich in der Sonne verbrannt und nahm die Farbe eines gekochten Flusskrebses an. 

Ein riesiges Gelände mit gut erhaltenen Tempeln, Amphitheater, Straßen, Stadtmauern und Toren. Wie das Leben wohl damals so war?

Genug am Strand gefaulenzt, für uns ging es weiter nach Gjirokaster. Vorher jedoch machten wir noch einen Zwischenstopp am Blue Eye, eine natürliche Quelle, die einen kleinen See und das gesamte Reservoir speist. Dies war allerdings nicht immer so. Die Quelle war für ein paar Jahre komplett ohne Wasser. 

Am Eingang muss man einen kleinen Obolus zahlen. Das Wasser tritt aus einem unterirdischen Tunnel aus und es erscheint an der Oberfläche für unser Auge klar blau, daher kommt wahrscheinlich die Namensgebung „Blue Eye“. Wie tief der Tunnel ist, ist noch unerforscht. Man schätzt ihn jedoch auf eine Tiefe von ca. 60m. Wir hatten vor, von der Besichtigungsplattform direkt in das fantastische Wasser zu springen. Doch ist es als verboten ausgeschildert, also haben wir es unterlassen. Und im Nachhinein denke ich, wenn jeder Besucher in die Quelle springen würde, dann wäre das Wasser nicht mehr in der Qualität und die Idylle/Magie des Ortes wäre zerstört. Schaut man sich etwas im Bereich um die Attraktion um, dann entdeckt man schnell, dass die Besucher ihren Müll in der Natur zurück lassen, allerdings auch die Einheimischen. Generell in ganz Albanien spielt Müll eine große Rolle, denn immerzu entdeckte ich mitten in der Natur ganze Müllberge. Wohin mit dem Müll? Entweder ab in die Natur oder verbrennen. Das ist die Realität hier.

Nach unserem kleinen Halt fuhren Andy und ich weiter nach Gjirokaster, ähnlich wie Berat ist auch diese eine der ältesten Städte Albaniens und ebenfalls am Berg gelegen. Nachdem wir das Auto geparkt hatten, liefen wir den Berg zur Festung hinauf. Ich lies mich überreden, mir die Festung ebenfalls von innen anzuschauen. Neben einigen historischen Fakten und vielen zur Schau gestellten Kriegsmaschinen, erhielten wir ein schönes Bild von dem Uhrenturm und den im Hintergrund gelegenen Bergen.

Genug Kultur- und Tagesprogramm. Wir befanden uns in einem für mich empfundenen Rush, denn nach unserem verspäteten Mittagessen, fuhren wir bereits von Gjirokaster noch einige Kilometer weiter bis nach Permet, suchten uns eine Unterkunft und wurden auch schnell fündig. Eine Hotelbesitzerin wurde zufällig auf uns aufmerksam und vermittelte uns weiter. Einige Minuten später stoppte ein Mann mit seinem Auto. Er gab uns das Zeichen einzusteigen. Wir folgten und fuhren zu seinem Gasthaus. Wir hatten die Ehre seine ersten Gäste zu sein. Der Abend war noch jung und wir wollten ihn nicht in einem Gasthaus ausklingen lassen, also stiegen wir wieder ins Auto, fuhren rechts bei einem Hügel mit einem Kreuz darauf links, bis wir bei den heißen Quellen ankamen. Eine Hand voll Menschen leisteten uns Gesellschaft, wir waren aber gefühlt allein. Mit ca. 23 Grad hatten die heißen Quellen ihren Namen nicht wirklich verdient. Dennoch war es im Pool wärmer als außerhalb. Die Gänsehaut hat trotzdem nicht lange auf sich warten lassen. Also genossen wir ein kurzes Bad und machten einige Erinnerungsfotos. Vor allem um die unfassbare Aussicht festzuhalten.

Dann ging die Sonne bereits unter und wir fuhren zurück. Wir entschlossen uns allerdings nächsten Morgen zurückzukehren, um weiter in den Hotova National Park vorzudringen. Also wanderten wir den Tag darauf immer tiefer in den Canyon, längs des Flusses. Wir hüpften immerzu über die Steine, um den Fluss zu überqueren oder kletterten an der Wand des Canyon entlang. Wir kamen uns selber so klein zwischen diesen gewaltigen Wänden vor.

Am frühen Nachmittag drehten wir um. Andy brachte mich bis zur nächst größeren Straße. An diesem Punkt trennten sich unsere Wege. Er machte sich auf dem Weg nach Sarandë und ich versuchte Richtung Montenegro zu trampen. Am selben Tag schaffte ich es bis Shkodra. Nächsten Tag erreichte ich letztendlich Podgorica, die Hauptstadt von Montenegro.