Meine Reise durch den Balkan – Montenegro und Bosnien

Meine Reise durch den Balkan setzte sich fort. Noch in Albanien, machte ich einen einen kurzen Zwischenstopp in Shkodra. Ich erhielt einen kleinen Einblick in die Stadt, nachdem ich ausgecheckt hatte, machte ich einen Spaziergang durch das Stadtzentrum mit meinem Backpack auf dem Rücken. Wie immer musste ich einen guten Ausgangspunkt zum Trampen finden. Mein Ziel war es, bis in die Hauptstadt von Montenegro, nach Podgorica, zu trampen.

10km vor der Grenze zu Montenegro lud man mich ab. Nach einiger Wartezeit und ganz ohne Erfolg, entschied ich mich zu Fuß das restliche Stück zu laufen. Nach 2km hielt ein älterer Mann an, er hatte zufällig das gleiche Ziel wie ich. Also nahm er mich mit nach Podgorica. Ich kam in einem Hostel, nicht weit vom Zentrum, unter. 

Auf dem Weg sprach mich ein junger Mann an. Er konnte fließend hochdeutsch, ohne jeden Akzent, sprechen. Er lief einige Meter mit mir mit und erzählte mir seine Geschichte. Er sei vor mehreren Jahren nach Deutschland gekommen, hatte dort seine Papiere bekommen. Eines Tages kam die Bundespolizei, er wurde ausgewiesen und zurück in seine Heimat gebracht. Es ging alles so schnell, dass er es nicht realisieren konnte, was in diesem Moment passiert war. Nun wollte er auf illegalem Weg zurück nach Deutschland, da ihm die deutsche Botschaft sitzen ließ.  Er bat mich, für ihn ein Busticket zu kaufen. Natürlich begegnete ich der Situation mit einer gewissen Skepsis. Außerdem konnte ich niemanden 90 Euro einfach so für ein Busticket geben, denn meine Geldreserven sind limitiert. Wer weiß was hinter der Geschichte steckte. Wahrheit oder Masche? Dennoch gab ich ihm ein Mittagessen aus. Dann verabschiedete ich mich.

Ich lernte Marc kennen. Er bot mir an, mir seine Stadt zu zeigen. Er selber war ein erfolgreicher Geschäftsmann, mit einem eigenen Modelabel speziell für die Männer im Balkan. Denn diese sind bekannt dafür, sehr groß zu werden.

Ich bekam einen kleinen Einblick in die Geschichte des Balkans, wo man doch im Unterricht nicht wirklich etwas davon lernt oder nur einen kleinen oberflächlichen Einblick bekommt. Jedenfalls kann ich mich nicht mehr an den Stoff erinnern. Nur Fetzen sind hängen geblieben. Er erzählte mir viele persönliche Stories, ich bekam die älteste orthodoxe Kirche zu sehen, das Denkmal wo die Widerstand gegen den 2. Weltkrieg entstand, später in Sarajevo stand ich noch an der Stelle wo der 1. Weltkrieg ausgelöst wurde, er zeigte mir die montenegrische Lieblingsbeschäftigung, genauso wie in Albanien: Bestelle dir einen Espresso, verbringe 4 Stunden an diesem und beobachte deine Umwelt. Zum Schluss tranken wir noch ein Bier an seinem Lieblingsplatz direkt am Fluss. Ich fragte ihn, warum er keine Free Walking Tour anbiete, denn ich war schier weg beeindruckt von seiner spontanen Stadtführung. Also wessen nächstes Ziel Podgorica ist, dem kann ich seinen Kontakt nur weitervermitteln.

Bevor ich es vergesse. Noch eine kleine Empfehlung von mir. Hinter dem Uhrenturm, im Pod Volat, gibt es das beste Essen, sofern ihr auf traditionelle Küche steht.

Schon seit Marokko dachte ich über ein neues Tattoo nach. Ein Buchstabe aus dem berbischen Alphabet mit der Symbolik der Freiheit sollte meinen Arm schmücken und mich immer an meine unglaubliche Zeit in Marokko erinnern. Marc kannte zufällig den Tätowierer seines Vertrauens. Warum also nicht spontan die Chance ergreifen? Für mich sprach nichts dagegen, so lies mich noch in Podgorica tätowieren. 

Nach diesem Tag begann die Regensaison, die mich mehr als einen Monat begleitete. Egal wo ich hinreiste, der Regen folgte mir. Also zog ich mich größtenteils in mein Hostel zurück und arbeitete daran, diesen Blog ins Leben zu rufen. Von Podgorica verabschiedete ich mich nach ein paar Tagen, ebenfalls von Montenegro, denn die Ausflüge in die Natur hätte ich bei diesen Schauern nicht genießen können. Aus diesem Grund nahm ich zur Abwechslung mal den Bus direkt nach Sarajevo. In der Hoffnung dem miserablen Wetter zu entkommen. Doch dieser begrüßte mich erneut in Sarajevo. Vorort fand ich wieder jemanden, der mich für einige Tage bei sich aufnahm. Schnell merkte ich, wie sich das einseitige, graue Wetter auf meine Laune auswirkte. Antriebslosigkeit, schlechte Laune und ein Gefühl von Unzufriedenheit machten sich bei mir breit. Mehr als ein Monat war bereits vergangen, dass meine Freundin bei mir war. Ich vermisste sie sehr. Wir sollten uns erst in Budapest wieder treffen. Wie gesagt lenkte ich nun meinen Fokus auf meinen Blog und nutzte die regnerische Zeit. Ich saß entweder in der Wohnung oder setzte mich in ein Café mit WiFi.

Nach dem dritten Land im Balkan und einer erneuten Portion Cevapcici, verging mir gänzlich der Appetit auf Fleisch. Ich konnte es nicht mehr sehen, riechen und schon gar nicht schmecken. Ich hatte buchstäblich die Schnauze voll davon. Fleisch steht hier an erster Stelle und überall ganz oben auf der Speisekarte. Jeder Veganer oder Vegetarier würde hier schwarz sehen. Die nächsten Tage machte ich einen weiten Bogen um Fleischprodukte. Doch ganz könnte ich niemals auf Fleisch verzichten. Einem saftigen und zartem Steak, dem Wildbraten von Vati und den könnte ich einfach nicht widerstehen. Ich entschied mich dazu meinen Fleischkonsum trotzdem dauerhaft zu reduzieren und Fleisch nur zu konsumieren, wenn ich wirklich Appetit darauf habe. Zum Beispiel einmal die Woche dann aber qualitativ gutes Fleisch, wenn es nachhaltig erzeugt würde. Warum einem Trend folgen und sich dadurch selber in Grenzen zwingen, wenn Fleisch schon immer ein essentieller Bestandteil unserer Ernährung war. Die Balance zu finden und sich bewusster zu ernähren, ist für mich der Schlüssel. Zurück zum Fleischer des Vertrauens und weg von den riesigen Discountern und der Massenproduktion.

Es hörte auf zu regnen. Ich nutzte die Gelegenheit weiterzuziehen. An der Autobahn nahm mich Beija aka Beijadventures in seinem Transporter mit, den er als Camper nutzte. Reisende ziehen Reisende an und tauschen Ihre Erfahrungen und Geschichten untereinander aus. So war er bereits länger als 2 Jahre unterwegs und hat viele Abenteuer erlebt. Zum Beispiel ist er ohne Geld per Anhalter los und bis nach Asien gereist, dann lief er vom nördlichsten Punkt Islands zum südlichsten, hat Neuseeland mit seinem Fahrrad durchquert und hat sich jetzt zum Ziel gesetzt in allen europäischen Ländern den höchsten Punkt zu erklimmen. Was für ein Lebenslauf. Die Fahrt auf den schlechten Straßen von Bosnien verging wie im Flug, seine Geschichten waren eine wahre Inspiration für mich. 

An der Grenze zu Kroatien, in Gradiska, trennten sich unsere Wege. Er zog weiter zu seinem nächsten Aufstiegsziel in Slowenien, dem Triglav mit beinahe 3000m. Ich suchte mir eine Übernachtungsmöglichkeit. Den nächsten Morgen überquerte ich die Grenze zu Fuß. Endlich setzte ich wieder einen Fuß auf europäischen Boden. Ähnlich wie in Griechenland, hatte ich von anderen Reisenden gehört, dass es sehr schwer sein sollte, in Kroatien zu trampen. Ich überzeugte mich also selber davon und durchquerte Kroatien bis nach Ungarn, wo mich bereits mein Host in Pecs erwartete. Die Reise dorthin begann mit einer schnellen Mitfahrgelegenheit, endete mit langen Wartezeiten von bis zu 4h und kostete mich den einen ganzen Tag.