Zu zweit durch die Türkei – Trampen nach Asien

In Burgas, eine Stadt am Schwarzen Meer, traf ich wieder auf Magdalena. In Plovdiv lernten wir uns, in der Wohnung unseres gemeinsamen Hosts kennen. Sie kommt ebenfalls aus Deutschland und hat für sich beschlossen, nach ihrem Abitur auf Reisen zu gehen. Sie hatte nicht irgendeine Reise geplant, Sie hatte sich in den Kopf gesetzt, ähnlich wie ich, von Deutschland aus, einmal um die Welt zu trampen und das größtenteils alleine. Sie ist jetzt seit ca. 2 1/2 Monaten unterwegs und erlebte verschiedenste Abenteuer in Österreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Wir blieben seit Plovdiv in Kontakt und entschieden uns, die Reise für ein kleines Stück gemeinsam fortzusetzen. Für mich ist es auch mal ganz schön mit jemanden zusammen zu reisen, so kann man schöne Momente wenigstens mal mit jemanden teilen. Von Burgas sollte es für uns in die Türkei gehen. Wir kamen ohne große Schwierigkeiten aus der Stadt heraus. Man setzte uns am Highway“ Richtung türkische Grenze ab.

Von dort aus nahm uns ein türkisches Pärchen mit nach Kirklareli, eine Stadt gelegen in der Westtürkei. Ein für uns günstiger Umstand war, dass wir uns mit ihnen auf Englisch verständigen konnten. Nach Bulgarien und einer ständigen Sprachbarriere, war dies eine angenehme Abwechslung. Wir überquerten ohne Probleme und ohne lange Wartezeiten die Grenze in der Nähe von Malko Kirilovo. Von Kiklareli aus wollten wir weiter nach Vize trampen, also setzten die beiden uns an einer guten Stelle ab. Damit wir nicht verdursten und verhungern, packten sie uns, wie total selbstverständlich, eine komplette Einkaufstüte voll mit türkischen Süßwaren und gaben uns dazu Wasser. Dann tauschten wir noch unsere Kontaktdaten aus, denn sie luden uns ein, sie auf unserer Reise durch die Türkei in Konya besuchen zu kommen. Natürlich werden wir, wenn wir in der Nähe sind, die Einladung wahrnehmen und die beiden besuchen. Sofern unsere Reisevorstellungen uns in den nächsten Tagen oder Wochen nicht trennen werden. So oder so sollte mein Weg an Konya Richtung Kappadokien vorbeiführen. 

Wir waren den Beiden unheimlich dankbar, gerührt und ebenso von der türkischen Gastfreundschaft überwältigt. Würde ich genauso Fremde behandeln? Wir bedankten uns 1000 Mal und verabschiedeten uns mit Küsschen rechts, Küsschen links, wie es in der Türkei Gang und Gebe ist.

Dann ging es für uns weiter Richtung Vize. Wir schafften es ein Dorf weiter und liefen an der ersten Bäckerei vorbei. Der Geruch war unwiderstehlich. An der Zweiten machten wir halt. Wir konnten einfach nicht widerstehen. Wir legten eine Pause ein. Magdalena hatte noch ein paar Bohnen und Schafskäse, also kauften wir uns in der Bäckerei ein frisches Fladenbrot. Wir setzten uns in ein Café, wo wir unser Mittag essen konnten, bestellten noch einen türkischen Tee. Da war das Feeling endlich in der Türkei angekommen zu sein. Nebenbei waren unsere Energiespeicher wieder aufgefüllt. Wir liefen also weiter bis zum Ende des Dorfes, wo ein Bus für uns hielt. Wir meinten wir wollen trampen und nichts bezahlen. Doch dieser machte uns ein unschlagbares Angebot, er wollte uns kostenlos mitnehmen, also nahmen wir sein Angebot an und kamen kurze Zeit später in Vize an.

Es war schon ziemlich spät, es fing bereits an zu dämmern und unsere Aussichten heute noch bis zur Küste zu kommen war äußerst gering. Doch ein LKW Fahrer hielt extra für uns an und nahm uns mit nach Kiyiköe. Auf dem Weg in die Stadt sahen wir komplette Anhänger voll von Wassermelonen. Noch nie zuvor hatte ich so viele Wassermelonen auf einem Haufen gesehen. Also kauften wir eine und machten uns auf zum Strand. Dort schlugen wir das Zelt auf. Die Nacht wütete ein Sturm. Das Zelt blieb standhaft, wir und unsere Sachen trocken, doch die Geräuschkulisse machte es uns unmöglich nur ein Auge zu schließen, maximal in den frühen Morgenstunden.

An diesem Morgen, ich hatte noch nicht mal beide Augen komplett offen, rannte ich auf direktem Weg ins Meer. Das Meer wütete ununterbrochen. Doch ich genoss die angenehme Kühle des Wassers und die riesigen Wellen, die mich nur so durch das Wasser schleuderten. Dann kam auch schon die Zeit für uns weiterzuziehen. Außerhalb der EU hatten wir kein Internet mehr, also begaben wir uns auf die Suche nach einem Café mit Wifi. Wir wurden fündig, bestellten uns türkischen Tee und versuchten zu erklären, dass wir das Internet in Anspruch nehmen wollten. Nach kleinen Missverständnissen waren wir online. 

Wir lernten unter anderem den Besitzer des Cafés kennen. Yuniz kam als Gastarbeiter nach Deutschland und verbrachte 33 Jahre dort, bis er sich entschied in die Türkei zurückzukehren. Hier in Kiyiköye lebt er nun sein glückliches Rentnerdasein. Dass er glücklich war, konnte man in seinem Gesichtsausdruck sehen. Er strahlte wie ein Honigkuchenpferd und strotzte nur so vor Energie. Er lebte gerne in Deutschland und erzählte uns von seinen Erfahrungen. Wir löcherten ihn mit Fragen. Leider war er zeitlich unpässlich und wir verabschiedeten uns von ihm.

Wir liefen also aus Kiyiköye raus und fanden sofort jemanden der uns bis nach Saray mitnahm. Im Auto fielen mir augenblicklich die Augen zu. In Saray angekommen, liefen wir durch die Stadt zu einer guten Position. Dort angekommen, erblickten wir hinter uns ein paar andere Tramper. Da wir nur zu zweit waren und eine bessere Position vor ihnen eingenommen hatten, sind wir als erstes mitgenommen worden, Pech für die anderen. So sind wir von Stadt zu Stadt gekommen, bis wir endlich jemanden fanden,  der uns nach Istanbul mitnahm. Jedenfalls setzte er uns mitten auf dem Highway kurz vor Istanbul ab. Nach kurzer Wartezeit stoppte Abdullah und nahm uns ins Zentrum mit. Er half uns wo er nur konnte. Im Auto machte er ein kleines Videointerview über unsere Reise mit uns.

In Istanbul endlich angekommen, hatte sich unser geplanter Host noch nicht gemeldet. Also malten wir uns aus, im Park nächtigen zu müssen. Doch Mert, mit dem ich seit heute ebenfalls in Kontakt stand, meinte, dass es sich als Türke nicht gehöre, Gäste im Park schlafen zu lassen, also lud er uns spontan zu sich ein. Er wohnt auf der asiatischen Seite, so setzten wir unsere Füße das erste Mal auf asiatischen Boden. Wir hatten es geschafft, wir waren bis nach Asien getrampt. 

Er kochte für uns und lud uns auf eine Flasche Wein ein. Trotz unserer Müdigkeit, führten wir noch sehr interessante Gespräche bis in den nächsten Tag hinein und ich fiel nur noch ins Bett und schlief in der ersten Minute ein.