Ankunft in Pecs – Vorurteile Pakistan

Vorurteile Pakistan! Pecs, ein paar Nummern kleiner und mit deutlich weniger Tourismus, erinnert vom Stadtbild an Budapest, nur die Donau fehlt. Nur nebenbei, Budapest hatte mich als nächstes Ziel im wahrsten Sinne in seinen Bann gezogen, darüber berichte ich allerdings  in meinem nächsten Bericht. In Pecs blieb ich nur 2 Tage, aus diesem Grund konnte ich die Vibes der Stadt nicht wirklich fühlen. Was schade war, doch sollte ich meine Freundin nach langer Zeit in Budapest wiedersehen. Dennoch inspirierte mich der Aufenthalt bei meinem Host, Kailash.

Als ich in Pecs ankam, erwartete er mich bereits. Kailash, aus Pakistan, wohnte in einem Block mit dem typischen sozialistischen Charme, einfach, praktisch, gut. Als ich durch die Tür kam, stand das Essen bereits auf dem Tisch, besser gesagt auf dem Boden. Gegessen wurde mit den Händen. Es gab traditionelles pakistanisches Essen. Die Esskultur erinnerte mich an die schöne Zeit, die ich in Marokko verbrachte. Es hat viele Gemeinsamkeiten mit der indischen Küche. Ganz nebenbei, ich liebe indisches Essen! Es war gut gewürzt, normalerweise ist das Essen extrem scharf und nicht für den europäischen Gaumen oder Magen geeignet. Aber Kailash war nachsichtig mit mir. Zu jedem Essen wird meistens Fladenbrot und Joghurt serviert. Damit kann man die Schärfe gut regulieren. Wer die Karte gerade nicht vor Augen hat. Pakistan grenzt westlich an Indien. Daher wahrscheinlich die Gemeinsamkeiten der Küchen.

In der Zeit traf ich viele von Kailash’s Freunden, die meisten sind ebenfalls Pakistani. Ich zeigte mich sehr interessiert, denn Pakistan liegt auf meiner potentiellen Reiseroute und ich habe absolut keine Ahnung von diesem Land. Lediglich die geografische Lage ist mir bekannt und einige für mich belanglose Vorurteile. Es ist gefährlich in Pakistan, dort herrscht der Terrorismus und überall lauern bärtige turbantragende Männer mit Maschinengewehren. Das ist ein schreckliches Bild von einem Land und den Menschen. Vielleicht steckt darin ein Funke der Wahrheit. Doch letztendlich hat niemand das Recht zu urteilen, ohne sich vorher selber ein Bild zu machen. 

„Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.“

Alexander von Humboldt

Ich löcherte also Kailash und seine Freunde mit Fragen über ihr Land. Und mit jeder Frage und Antwort fing ich mehr an, Begeisterung für dieses Land zu entwickeln und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sie erzählten von dem Land der 4 Jahreszeiten. Im Norden gibt es die kältesten Winter, im Zentrum und Süden die heißesten Sommer und in anderen Gebieten ist das Klima das ganze Jahr gemäßigt. Der Norden wird auch als Himmel der Welt bezeichnet. Dieser Teil des Landes wird von mehreren Millionen Touristen im Jahr besucht. Bei dieser Zahl viel mir die Kinnlade herunter, denn ich dachte, dass der Tourismus dort eher gering ist. In Pakistan liegen außerdem ein Teil der höchsten Berge der Welt. Der höchste reicht über 8600m. Des Weiteren werde ich viele Landschaftsbilder zu sehen bekommen. Wüste, Berge, Wasserfälle, Wälder, endlose unberührte Strände.

Natürlich war bis 2009 im Gebiet von Beluschistan, der westliche Teil zu Afghanistan, die Terrormiliz der Taliban sehr aktiv und es gab viele Unruhen. Doch jetzt ist es weitestgehend sicher, aber zu 100% sicher ist man sowieso nirgendwo. Ich machte sogar die Bekanntschaft mit jemanden der genau in diesem Gebiet aufgewachsen ist und mir von seinen Erfahrungen berichtete. Er erlebte den „Terrorismus“ aus nächster Nähe. Ich hätte gerne mehr Zeit gehabt mit ihm zu reden, denn zum ersten Mal bekam ich einen Zeugenbericht, der nicht von den Medien manipuliert wurde.

An einem der Abende, probierte ich mich aus und machte pakistanisches Fladenbrot selber. Der Teig ist wie Pizzateig. Er wird mit einem Nudeleisen ausgerollt. Nicht so leicht wie es aussieht. Mein Teig wollte unbedingt seine ursprüngliche Form beibehalten und nicht zum Fladen gemacht werden. Ich reichte das Nudeleisen weiter und im selben Moment landete der Teigfladen in der Pfanne. Das bedarf wohl einer speziellen Technik. Nach einigen Versuchen bekam ich es dann auch endlich hin. Für meine Zuschauer war es zu Beginn ein Vergnügen mir zuzuschauen, wie ich mich zum Affen machte und auf den Teig einschlug.

Mein Bericht über Pakistan basiert jetzt lediglich auf subjektive Berichte anderer. Schon bald werde ich meine eigenen Erfahrungen in Pakistan machen, um mir mein ganz eigenes Bild von diesem Land zu machen. Noch trennen mich mehr als 5000km von dort.