Meine Reise durch Italien – von Milano nach Sizilien

Fes war mein letztes Ziel in Marokko von dort aus ging es mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland, um meine Freundin wiederzusehen. Ich landete in Memmingen, von wo aus ich den restlichen Weg zu ihr trampte. Es kostete mich den ganzen Tag, bis ich endlich am Abend bei ihr ankam.

Nach einer Woche trat ich meine Reise nach Italien schließlich an. Mit ein paar Startschwierigkeiten, trampte ich den ersten Tag mehr als 700km und erreichte Mailand mitten in der Nacht. Es stellte sich als Herausforderung dar, so spontan noch ein Hostel zu finden. Nach ein paar Fehlversuchen war ich glücklich, total übermüdet, endlich einen Hostelplatz gefunden zu haben. 

Vom ersten Moment an fühlte ich mich in dieser Stadt nicht willkommen und sehr unwohl. Nach dem traumhaften, gastfreundlichen und hilfsbereiten Marokko war mein Aufenthalt in Mailand wie ein gewaltiger Schock für mich. Das Leben der Stadt war laut, hektisch und stressig. Trotzdem wollte ich der Stadt eine Chance geben.

Über Couchsurfing suchte ich mir ein paar Hangouts, um nicht alleine die Stadt zu erkunden. Nachdem wir durch das Stadtzentrum gelaufen waren und das Standartsightseeing abgehakt hatten, aßen wir eine leckere italienische Pizza. Wenig später ging es für mich wieder zurück ins Hostel, denn ich war plötzlich Hunde müde.

„Geld ist nicht alles im Leben“ so ist jedenfalls meine Meinung. Ist es wirklich so? Diese Frage stellte ich mir nach dem Zusammentreffen mit dem Hostelbesitzer, denn er war völlig anderer Meinung. „Egal was du im Leben machen möchtest, alles kostet heutzutage Geld. Deswegen braucht man Geld, um zu überleben. Und wenn man eines Tages genug Geld hat, dann kann man in finanzieller Freiheit leben.“

Wir selber fokussieren uns zu sehr auf das Geld und wir denken, dass dieses uns eine Form von Sicherheit bietet. Dabei folgen wir dem Geld und geben unsere eigenen Träume zum Teil auf. Es entsteht eine Leere in uns, die wir versuchen, mit dem Konsum von unnützen Gütern zu füllen. Dadurch zwingen wir uns selber in eine absolute Abhängigkeit zum Geld. Wir machen uns zu Sklaven des Systems. Das ist meiner Meinung nach ein Teufelskreis, vor dem viele die Augen verschließen und denen die sich darüber bewusst werden, ist es meist nicht mehr möglich auszubrechen. 

Das Geld ist in unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken, allerdings sollten wir dem Geld nicht den größten Stellenwert zusprechen. Wir haben Sicherheit mit Geld und auch ohne Geld! Es gibt im Leben weitaus wichtigere Dinge zum Beispiel Familie, Freunde, die eigene Gesundheit und für mich an erster Stelle, sich selber zu verwirklichen. Macht das was ihr aus tiefsten Herzen wollt und nicht das was euch von außen vorgeschrieben wird. Wenn man erkennt, was man wirklich braucht und was nicht, dann hat Geld in diesem Moment nur noch einen geringen Wert. Es ist nur Papier und Metall, auf das wir einen Wert projizieren.

Panorama über Salerno

Panorama über Salerno

Weiter im Kontext. Ich machte es mir bereits in Salerno südlich von Italien in einer Airbnb bequem. Die Stadt ist kleiner, weiter südlich, die Mentalität der Menschen fängt an sich schon etwas zu wandeln. Das Leben ist langsamer, d.h. hier laufen die Uhren bereits langsamer. Im Allgemeinen strahlte die Stadt eine entspanntere und positivere Atmosphäre aus als beispielsweise in der Großstadt Mailand, aus der ich ja regelrecht flüchtete! 

Ich erkunde die Amalfi-Küste

Amalfi-Küste

Von hier aus machte ich einige Ausflüge in die Umgebung und anderem nach Amalfi und Palinuro. Dort verbrachte ich die Tage zum größten Teil in der Natur. In Palinuro wanderte ich mehrere Kilometer den Strand entlang. Bis auf ein paar Menschen, war ich der einzige am Strand. Es war traumhaftes Wetter, es war keine Wolke am Himmel zu sehen, die Sonne schien und eine erfrischende Briese wehte. Nach dem Strandspaziergang führte meine Wanderung zu den Klippen. Von denen man einen einzigartigen Blick über die Kleinstadt Palinuro bekam und über die Unendlichkeit des Meeres. Ich genoss die Harmonie und die Schönheit der Natur. 

Zurück bin ich ganz spontan getrampt. Lange musste ich nicht warten und es ging bei italienischer Volksmusik zurück. Die paar Tage in Salerno verbrachte ich größtenteils mit mir selbst.

Zur Abwechslung habe ich mal den Bus genommen. Dieser brachte mich bis nach Catania auf Sizilien, von wo aus ich eine Woche später die Fähre nach Malta nahm. In Catania fand ich relativ schnell eine Unterkunft. Von dort aus plante ich meinen nächsten Hiking-Trip. Diesmal sollte der Ätna meine Herausforderung werden. Beim Couchsurfing veröffentlichte ich ein paar Tage zuvor mein geplantes Event, zum Ätna aufzubrechen, um vielleicht noch einen Mitstreiter zu finden. Guzman, der aus Spanien kam und hier ein Workaway machte, meldete sich und wir verabredeten uns für den nächsten Morgen. 

Wir suchten bereits seit einer Stunde die Bushaltestelle, um zum Ätna zu kommen. Als wir diese endlich gefunden hatten, bekamen wir die Information, dass nur ein einziger Bus pro Tag um 8 Uhr morgens zum Fuß des Ätna fuhr. Die Uhr stand bereits auf 9:30 Uhr. Was für eine Enttäuschung! Stattdessen machten wir eine Wanderung durch die Stadt, ich kaufte frisches Gemüse und sizilianischen Käse auf dem Markt und am Abend versuchte ich mich an der sizilianischen Küche.

Nachdem wir gestern den ersten und einzigen Bus zum Ätna verpassten, brach ich am nächsten Morgen trotz schlechter Wetterverhältnisse, Richtung Vulkan auf. Diesmal erwischte ich den Bus. Im Bus traf ich auf Max, der auch aus Deutschland kommt, und somit war ich nicht mehr allein, denn er wollte ebenfalls bis zum Hauptkrater des Ätna steigen.

Es regnete, schneite und hagelte, der starke Wind verschlechterte die Umstände noch mehr. Wir hatten etwa eine Sicht von 20-30m und die Steigung war ungeheuer. Wodurch wir uns mehrmals verliefen und große Umwege machen mussten. Wir stapften Stunden durch den Schnee, erreichten mehrere Krater aber leider nicht den Hauptkrater. Wir mussten vorher umdrehen, die Wetterverhältnisse waren zu schlecht. Den Ausblick auf 3000 Höhenmeter haben wir dennoch genossen. Wir blickten über die Wolken hinweg und es wirkte wie eine eigene und abgeschiedene Welt. Bevor wir den Abstieg wagten, legten wir uns auf den Vulkanboden und wärmten uns noch einmal auf. Der Abstieg war schnell geschafft, auf dem Weg abwärts nutzten wir das starke Gefälle und sprangen im weichen Vulkansand den Hang hinab. Es fühlte sich an, als würde man ein kleines Stück fliegen und machte einen unheimlichen Spaß.

Die Fußbodenheizung vom Ätna taut mich auf

Fußbodenheizung vom Ätna

Als wir unten ankamen sind wir beide wie in ein Loch gefallen. Wir waren beide total fertig. Diese Tour kostete mich immense Kräfte und brachte mich erneut bis an meine Grenzen. Auch wenn wir es nicht ganz geschafft hatten, bin ich zufrieden. Ich denke unsere Entscheidung  rechtzeitig umzukehren war die vernünftigste, andernfalls hätten wir uns nur unnötig in Gefahr begeben.

Ätna Krater auf 3000m Höhe

Ätna Krater

Ich bin dankbar Max kennengelernt zu haben. Nachdem ich ihn noch zu mir zum Pastaessen eingeladen hatte und er es sich für die Nacht auf dem Boden bequem gemacht hatte, setzte er am nächsten Morgen seine Reise fort. Wir stehen immer noch in Kontakt und werden uns auf jeden Fall in Deutschland mal wiedersehen.

Die weiteren Tage verbrachte ich damit Catania und die nähere Umgebung zu erkunden. Ich lebte das italienische Leben, langsam, Siesta, Pizza & Pasta, jeden Abend Wein, Käse und sizilianische Orangen. Ich habe noch nie so leckere Orangen gegessen.

Blick aus der Ferne auf den Alcantara

Alcantara Schlucht

Ich machte noch einmal einen Ausflug in die Natur. Diesmal wollte ich den Alcantara, ein Fluss der südlich von Taormina durch eine Schlucht läuft, entlang wandern. Leider gab es nur einen touristischen Eintritt und keine Möglichkeit den Fluss wirklich zu erreichen, von jeder Seite waren Privatgrundstücke angesiedelt. Also konnte ich den Alcantara nur aus weiter Ferne betrachten. 

Ich genoss die Woche auf Sizilien und setzte von dort aus nach Malta über.

Von der Fähre einen letzten Blick auf Sizilien werfen, dann geht es nach Malta

Von Sizilien nach Malta