Erwähne niemals das Wort „Kurdistan“

Irak Kurdistan – so steht es auf den aktuellsten Karten geschrieben. Wenn ich Kurdistan erwähne, dann spreche ich nicht über ein Land, sondern über eine autonome Provinz, die in dem Land Irak gelegen ist. Zuvor war mir dies auf jedem Fall unbekannt. Zum ersten Mal erfuhr ich von Etwas namens Kurdistan von Casper – ebenfalls ein Backpacker, der gerade aus dem Nord-Irak gekommen war. Ich traf ihn in Gaziantep. Mein Gastgeber in Diyarbakir berichtete mir ebenfalls über seine kürzlich gemachten Reise nach Kurdistan. Beide erzählten mir von einer unglaublichen Gastfreundschaft und einer schönen Natur. Ich bekam ein Bild von Amedi zu sehen, auf einem Felsplateau gelegen. Eine Stadt umgeben von Bergen. Mein Interesse war geweckt, ich wollte ebenfalls mehr über das kurdische Volk erfahren. Schnell erfuhr ich, dass ich als Deutscher Staatsbürger ohne Visum für 30 Tage einreisen kann. Also machte ich mich auf zur Grenze.

Wir warteten bereits an der Grenze, es war unerwartet voll und es herrschte das reinste Chaos, weshalb wir als Backpacker diesmal nicht die Grenze zu Fuß überqueren konnten. 

Ja wir, ich war nicht mehr allein. In Mardin lernte ich Ensar kennen. Er ist seit mehr als 3 Jahren unterwegs – ganz ohne Geld startete er in die weite Welt. Mit seiner Ukulele und selbstgemachten Armbändern, hielt er sich immer über Wasser. Reich an aufregenden und verrückten Geschichten kann er einen stundenlang mit diesen entertainen. 

 

Nach einer mehrstündigen Grenzüberquerung waren wir endlich in der autonomen Region Kurdistan, im Irak Kurdistan oder kurz Kurdistan angekommen, was in jeder Ausdrucksweise nicht gerne von der türkischen Polizei gehört wird. Ich machte jedenfalls eine unangenehme Erfahrung mit der Polizei kurz vor der Grenze zum Irak in Cizre. Ein Polizeicheckpoint befindet sich an jedem Eingang der Städte im Südosten Anatoliens. An einem von diesem wurde ich als Tramper von ihnen herausgezogen. Als die Frage fiel, was mein Ziel sei, erwiderte ich diese mit „Kurdistan“. Daraufhin verzogen sich die Minen der Polizeibeamten schlagartig und ich wurde für die nächsten drei Stunden aus dem Verkehr gezogen. Plötzlich lief mein Sympathikus auf Hochtouren. Mein Puls raste, ich war blass angelaufen und mein Mund war trocken, wie die Sahara. Ich wurde bis auf meine Unterwäsche geprüft. Mein Gepäck sogar wiederholt durchsucht, ebenfalls alle meine Bilder, sowie meine letzten Kontakte. Alles wurde auf einen Zusammenhang mit einer Terrororganisation gecheckt. Einer der älteren Polizisten, der die ganze Zeit grimmig daher schaute, fragte direkt, ob ich ein Terrorist sei. Das erste Mal fühlte ich mich in der Türkei unsicher. In diesem Moment dachte ich, dass man mich hier nicht mehr gehen lässt. Es war bereits dunkel geworden, doch dann durfte ich meine Reise per Anhalter in die Stadt zu meinem Host fortsetzen – welch eine Erleichterung. Mein biologischen Eckwerte normalisierten sich wieder – Puuuh! Erwähne niemals das Wort “Kurdistan” vor der türkischen Polizei!