Thessaloniki – Ein einfaches Leben in Griechenland

Das einfache Leben sollte mich in Griechenland erwarten. Nach der Verabschiedung von Miyuki und Markus, stieg ich in den Flieger und landete einige Stunden später in Thessaloniki, eine griechische Hafenstadt am Ägäischen Meer. Ich passte perfekt den Bus ab und fuhr Richtung Hostel, welches sich in der Upper Town (Altstadt) befindet. Dort bezog ich mein Bett, trank einen Willkommens-Kaffee und entschied mich anschließend, an der Free Walking Tour teilzunehmen.

George, gebürtig und aufgewachsen in Thessaloniki, führte uns durch die Upper Town. Sein Tipp an uns:“ Geht in der Altstadt verloren und ihr werdet jedes Mal neue Dinge entdecken.“ Sogar er entdeckt immer wieder etwas Neues. Im Allgemeinen war die Führung mit ihm der absolute Wahnsinn, denn es war nicht nur eine Aneinanderreihung von geschichtlichen Fakten, wie man es auch bei Wikipedia nachlesen könnte, sondern er extrahierte diese auf das Wesentliche und kombinierte sein umfangreiches Wissen mit seinen ganz persönlichen Ansichten, Erfahrungen und Talenten. Diese machte die Führung einzigartig und sehr lebendig. Zum Beispiel spielte er uns auf seiner Bouzouki, eine Schalenhalslaute bzw. ein Zupfinstrument mit einem bauchigen Klangkörper, einige traditionelle Lieder vor. Unter anderem das Rembetiko, ein vielseitiges Genre, das traurige und fröhliche Melodien kennt, doch grundsätzlich große gesellschaftliche Fragen, die Probleme der Armen, Politik, sowie die großen Kämpfe der Epoche behandelt. Das Rembetiko wurde in den dreißiger Jahren sogar verboten.

„Never live to work, work to live“

Ein Satz der den griechischen Lebensstil sehr gut beschreibt. Lebe einfach, aber genieße dein Leben dennoch ausgelassen. Und denk daran nicht zu viel zu arbeiten. Dieser weltliche Ansatz lässt sich bis in die Antike, zu beispielsweise Diogenes und Platon, zurückverfolgen. 

Nach einer knapp vier stündigen Tour, saßen George, zwei Quebecer, zwei deutsche Mädchen und ich zusammen bei Tetrapack-Wein, Bier, Crackern, Feta und Oliven auf der Stadtmauer, um den atemraubenden Sonnenuntergang zu bewundern. Gleichzeitig hat man einen traumhaften Blick auf den Mount Olympus. Dort wo die Götter hausen.

Das ist nur ein kleiner Einblick in seine Führung. Wenn ihr Thessaloniki besuchen solltet, dann nehmt unbedingt an seiner Tour teil. Das ist ein absolutes Muss!

Der Abend war allerdings noch nicht vorbei. Denn die Griechen lieben und leben das Leben. Trotz der Krise und der Armut. Wir wollten eine Kostprobe davon erhaschen. Deswegen zogen wir weiter in ein Restaurant und verbrachten dort den restlichen Abend bei Wein, Raki und traditionellem Essen.

Am nächsten Tag verabredete ich mich mit den zwei Quebecern, die zufällig im gleichen Hostel wie ich nächtigten, in Downtown (Neustadt), die 1917 durch einen verheerenden Brand zu großen Teilen zerstört worden war, um das touristische Sightseeing abzuhaken. Wir liefen also durch die Stadt und entdeckten Attraktionen, wie zahlreiche orthodoxe Kirchen, den Hauptplatz, die Marktplätze und eine der Hauptattraktionen, den „Weißen Turm“, bei dem nicht mal eine englische Übersetzung des historischen Kontextes für die Touristen geboten wurde. Dennoch lohnt sich der Ausblick von oben über die Stadt. Ob, dieser den Eintritt von 4 Euro wert ist, muss jeder für sich entscheiden. 

Wir liefen die gesamte Promenade hinunter, setzten uns in ein Café und genossen das griechische Leben. Stundenlang an einem Kaffee nippen, gute Gespräche führen oder einfach nur seine Umgebung zu beobachten. Am Nachmittag nahmen wir dann an dem zweiten Teil der Free Walking Tour durch die Downtown teil. Auch wieder mit George. Ich habe oben bereits genug Anreize gegeben, an seiner Tour teilzunehmen. Auch diese Tour haben wir wieder genossen.

Am Abend haben wir uns noch selber Pasta zubereitet. Ein Kilo Pasta für drei Personen, doch etwas zu viel, denn wir hätten noch am nächsten Tag etwas davon gehabt.

Heute geht es mit Vince und Simon mit dem Bus nach Meteora, eine Felsenformation in Zentralgriechenland. Ich musste leider meine Vorratsboxen mit der Pasta im Hostel zurücklassen, weil die Küche abgeschlossen war und wir ansonsten den Bus verpasst hätten. 

Wir kamen in Kalambaka, die Stadt neben Meteora gelegen, an und ließen uns im Hostel ElGreco nieder. Die Besitzerin begrüßte uns sehr herzlich. Sie sah uns an, dass wir am Verhungern waren. Sie bereitete uns also Souvlaki, griechische Fleischspieße, zu und stellte uns eine ganze Flasche ihres selbst gemachten Weines auf den Tisch. Da wir alle noch nichts gegessen hatten, ist uns der Wein ganz schön schnell zu Kopf gestiegen. 

Gekräftigt und angeheitert machten wir uns auf, zu den Mönchsklöstern zu wandern. Die Felsen ragen vereinzelt aus dem Boden, so einzigartig und beeindruckend, als wären sie nicht von dieser Welt. Ich kann nachvollziehen, warum die Mönche im 14. Jahrhundert auf die Felsen kletterten und dort die insgesamt 24 Klöster, von denen heute noch 6 bewohnt sind, errichteten. Sie wollten Ihrem Gott etwas näher sein. Beeindruckend, dass es damals schon möglich war, so etwas zu errichten. Heute schaffen sie es nicht einmal, einen normalen Flughafen zu bauen. Wir verbrachten den gesamten Tag in der Natur. Wir wanderten entlang der Pfade und kletterten die Felswände hinauf. 

Vor Sonnenuntergang suchten wir uns schließlich einen Weg zurück in die Stadt, um den Abend mit Wein, griechischem Salat und Mousaka ausklingen zulassen. Man findet sich schnell ein in den griechischen Lebensstil.

Morgens eine kräftige Portion Porridge. Dann haben wir uns noch einmal aufgemacht, den Rest des Gebiets um die Klöster zu erkunden. Fernab vom Wanderweg, schafften wir es sogar den Weg, den die Mönche einst zum Kloster gehen mussten, hinaufzuklettern. Bis in den frühen Nachmittag hinein besichtigten wir die Umgebung. Schon am Vortag fiel uns auf, dass einige Felsen Gesichter abbildeten. Was es damit auf sich hat, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Zufall oder Einbildung konnte es jedenfalls nicht gewesen sein. Eine weitere unglaubliche Entdeckung, war die Drachenhöhle auf dem Rückweg. In der, laut Saga, wirklich einmal ein Drache gelebt haben soll. Wir durchforsteten jeden Winkel, doch keine Spur von Überresten eines Drachen.

Anschließend haben sich unsere Wege getrennt. Vince und Simon versuchten Richtung Istanbul zu trampen. Später erfuhr ich, dass sie wieder in Thessaloniki gelandet waren und meine verbliebenen Vorratsboxen mitnahmen. Ich machte mich auf die gleiche Weise nach Albanien auf. 

Meine erste Bekanntschaft, war eine Deutsche, ehemalige Anwältin, die einen Griechen geheiratet hatte und dementsprechend vor Jahren hierher ausgewandert ist. Sie lebt ein gelassenes, typisch griechisches Leben. Ich würde sagen, alles richtig gemacht. Sie hat mich bis nach Kastoria, kurz vor der albanische Grenze, mitgenommen. 

Von dort aus nahm mich kurze Zeit später Flavur, ein Truckfahrer, bis zur Grenze mit. Die Grenze nach Albanien überquerte ich zu Fuß, das erste Mal für mich. Das erste Auto, welches nach Grenzüberquerung an mir vorbei fuhr, stoppte auf mein Zeichen und brachte mich nach Korcè, wo ich meine erste Nacht in Albanien verbrachte.