Der unerwartete Besucher

Chaos in meinem Kopf, meine Gedanken schwanken hin und her, mein Gehirn läuft auf Hochtouren. Seit Tagen liege ich im Bett ohne ein Auge zu zubekommen – schlaflos. Ich denke an Zuhause, an meine Familie, an meine Freunde. Ich muss eine Entscheidung treffen. Fliege ich von Georgien aus über Weihnachten nach Hause, stehe plötzlich vor der Tür, überrasche meine Familie und Freunde oder setze ich meine Reise so wie bisher fort, weiter über Armenien in den Iran, für das ich bereits mein Visum in der Hand hielt. Von Georgien aus gibt es günstige Flüge, Direktflüge nach Berlin, die Flugzeit mit vier Stunden überaus komfortabel und hier kann ich meinen Rucksack bei einer georgischen Familie, die so gastfreundlich, herzlich und hilfsbereit ist, bis zu meiner Rückkehr einlagern. Zur gleichen Zeit erhielt ich eine unerwartete Einladung nach Nord-Zypern, welche ich trotz meiner Unruhe, vielleicht doch in die Heimat fliegen zu wollen, freudig annahm. Also machte ich noch den kurzen Zwischenstopp auf Zypern, um im Anschluss, das Heimweh gewann letztendlich doch, kurz vor der Weihnachtszeit, meiner Familie einen Überraschungsbesuch abzustatten, ich unterbrach also meine Reise.

Nach zweieinhalb Wochen Sonne tanken auf Nord-Zypern und einem folgenden Einreiseverbot für die nächsten zwei Jahre, da mein Visum unwissend abgelaufen war und ich zu spät ausreiste, ging es endlich mit dem Flieger Richtung Berlin, Richtung „Heimat“. In Anführungsstrichen, denn ich weiß nicht mehr ob ich Berlin als meine Heimat überhaupt ansehen kann, ob ich mich dort jemals wieder heimisch fühlen werde. Diese Fragen schossen mir, während ich über das Meer und das Festland flog, durch den Kopf. Ich würde es erfahren, wenn ich endlich gelandet bin. Dreieinhalb Stunden später am späten Nachmittag, es war bereits dunkel, verließ ich das Flugzeug. Nach beinahe elf Monaten betrat ich endlich wieder deutschen Boden. Ein Kälte-Schauer überkam mich. Mit Bus und Bahn ging es für mich Richtung Elternhaus. Auf die öffentlichen Verkehrsmittel war wieder Mal kein Verlass.

Als ich so in der Bahn saß, war es ein komisches Gefühl wieder hier zu sein und es war ebenfalls ungewohnt, dass alle Menschen um einen herum wieder die deutsche Sprache nutzten. Nach einiger Verspätung kam ich aber endlich gut an. Die letzten Meter bis zu meinem Elternhaus, dann stand ich plötzlich vor der Tür. Ich malte mir aus, wie meine Eltern wohl reagieren würden. Auf jeden Fall würden sie hin und weg sein und sich freuen. Es wohl nicht realisieren, dass ich gerade wirklich vor ihnen stehe. Meine Mutter würde in Tränen ausbrechen und mein Vater würde seine Emotionen, wie immer gut unter Kontrolle haben. „Wie wir Männer eben so sind!“ So war es dann auch, als ich an die Tür klopfte und einen kurzen Augenblick später mein Vater die Tür öffnete. Meine Mutter kam voller Freude auf mich zu gerannt und nahm mich in den Arm, wollte mich nicht mehr loslassen und wider Erwarten, reagierte auch mein Vater emotionaler als vermutet. Wir hatten uns an diesem Abend viel zu erzählen und die nächsten Tage viel nachzuholen.

Ich bin glücklich wieder zuhause zu sein!